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Creditreform zu Gastronomie Insolvenzen: Strukturelle Ursachen und aktuelle Entwicklungen

Eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung hat die anhaltende Krise in der Gastronomie analysiert und sieht strukturelle Ursachen für die steigenden Zahlen an Schließungen und Insolvenzen von Gastronomiebetrieben. Die Untersuchung basiert auf eigenen Erhebungen der Creditreform Wirtschaftsforschung und dem Mannheimer Unternehmenspanel des ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Die seit 2020 andauernde Krise ist geprägt von den Auswirkungen der Pandemie, der Energiekrise und den Folgen der Inflation. Demnach sahen sich zwischen 2020 und 2025 bundesweit über 11.000 Betriebe gezwungen, Insolvenz anzumelden, darunter auch bekannte Unternehmen wie die Restaurantkette Sausalitos mit über 1.000 Beschäftigten. Besonders betroffen ist der Bereich der „Restaurants, Gaststätten, Imbisstuben“ sowie „Caterer und Verpflegungsdienstleister“, dort stiegen die Insolvenzen jeweils um über 30 Prozent. Etwas weniger stark trifft es die „Diskotheken und Getränkeausschank-Betriebe“ mit knapp 24 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich der Konsum zunehmend hin zu Lieferdiensten, was klassische Restaurantbesuche, aber lt. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung auch den stationären Einzelhandel, weiter belastet.

Die Untersuchung zeigt, dass sich die Insolvenzen in dem Bereich seit 2022 mehr als verdoppelt haben - von 2022 mit 1.394 Fällen auf 2.900 Fälle in 2025.

Auch die finanzielle Lage in der Branche zeigt sich angespannt: 38,7 Prozent der Unternehmen haben eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent, und ein Drittel der Betriebe arbeitet mit negativen Gewinnmargen. 30 Prozenten arbeiten zwar noch profitabel, aber mit Margen von unter 5 Prozent. Viele kämpfen weiter mit hohen Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten, sodass die Zahl der Insolvenzen 2026 weiter steigen könnte. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen zudem oft die liquiden Mittel. Hantzsch warnt, dass sich die Gastronomie weiter ausdünnen werde, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht bald verbesserten.

Dr. Holger-René Bruckhoff verweist auf eine vergleichbare Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, wo die kürzlich von IT.NRW publizierten Insolvenzzahlen für das Jahr 2025 ebenfalls einen erheblichen Anstieg der Insolvenzen im Gastgewerbe zeigen - von 548 in 2024 auf 701 im vergangenen Jahr, ein Plus von knapp 28 Prozent: "Die aktuellen Zahlen bestätigen das, was man ohnehin vielerorts selbst sieht: Im Jahr 2025 ist die Anzahl der Insolvenzverfahren im Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen signifikant angestiegen. Gerade in kleineren Städten und in vielen Innenstädten fallen die Leerstände und häufigen Betreiberwechsel zunehmend auf."  Besonders betroffen von den Auswirkungen der Konsumzurückhaltung und steigenden Kosten sind jeweils die kleinen und inhabergeführten Betriebe.

Quellenhinweise:
Creditreform Neuss, Pressemeldung vom 19. März 2026: "Dauerkrise in der Gastronomie: Mehr als 11.000 Insolvenzen seit 2020"
Landesbetrieb IT.NRW, 10. März 2026: NRW: "Rund 15 % mehr Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025"