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Unternehmensinsolvenzen lt. IWH weiter auf hohem Niveau, Creditreform warnt vor Folgen einer Insolvenzverschleppung
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) meldet in seinem jüngsten monatlichen Insolvenztrend auch für den Juli hohe Zahlen, die zwar 1 Prozent unter dem Vormonat, jedoch weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegen. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich über den Vergleichswerten der Vorjahre liegt. Für den Juli wurden bundesweit 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Verglichen mit dem Vorjahresmonat entspricht dies einem Anstieg von 7 Prozent, gegenüber dem Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2016 bis 2019 sogar einem Plus von 75 Prozent.
Nach Einschätzung der Experten ist der marginale Rückgang gegenüber Juni nicht als Trendwende zu verstehen, vielmehr bewegen sich die Unternehmensinsolvenzen weiter deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Die vom Institut erhobenen Frühindikatoren lassen zudem erwarten, dass sich das Insolvenzgeschehen auch in den kommenden Monaten auf hohem Niveau fortsetzen wird. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung weist darauf hin, dass die lange Krise offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht hat. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“
Besonders betroffen waren die Bereiche der unternehmensnahen Dienstleistungen und der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen - hier wurden die höchsten je im IWH-Insolvenztrend erfassten Zahlen an Insolvenzen gemeldet. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ist gegenüber dem Vormonat zwar leicht zurückgegangen, liegt aber 26 Prozent über dem Vorjahresmonat und 47 Prozent über dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre.
Creditreform warnt vor Insolvenzverschleppung
Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Zahl an Unternehmensinsolvenzen rückt die Frage in den Fokus, wie Unternehmen und Geschäftsleiter auf wirtschaftliche Krisen reagieren. Creditreform weist in einem aktuellen Beitrag auf diese Problematik hin und warnt ausdrücklich vor den Folgen einer Insolvenzverschleppung. Die Wirtschaftsauskunftei verweist dabei auf eigene Zahlen für das erste Halbjahr 2026, demnach wurden insgesamt 12.900 Insolvenzen registriert, ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lt. Creditreform Halbjahreszahlen der höchste Stand seit 2013, seinerzeit wurden im ersten Halbjahr 13.310 Fälle registriert.
Nach Einschätzung von Creditreform warten zahlreiche Unternehmen trotz erkennbarer Liquiditätsprobleme zu lange mit einer Restrukturierung oder versäumen die Prüfung einer Insolvenzantragspflicht. In diesem Zusammenhang wird auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) hingewiesen: Zahlungsunfähigkeit liege dann vor, wenn ein Unternehmen innerhalb von drei Wochen weniger als 90 Prozent seiner fälligen Verbindlichkeiten begleichen kann. Maßgeblich ist hier unter anderem, ob fällige Verbindlichkeiten im Wesentlichen bedient werden können oder eine Liquiditätslücke von mehr als 10 Prozent besteht.
Um Haftungsrisiken zu minimieren, reiche es nicht, eine vorher aufgestellte Geschäftsplanung vorzulegen, stattdessen sei ein strukturierter, fortlaufender und angemessen dokumentierter Prozess der Krisenfrüherkennung und des Krisenmanagements gefordert, wie auch im Rahmen des StaRUG (Link Service/StaRUG) definiert. Eine Missachtung dieser Pflichten kann weit über das eigentliche Insolvenzverfahren hinausreichen, Geschäftsleiter setzen sich unter Umständen erheblichen persönlichen Haftungsrisiken bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen aus.
Frühzeitiges Handeln verbessert Sanierungschancen
Die aktuellen Veröffentlichungen von IWH und Creditreform belegen, dass sich das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau bewegt, Creditreform macht insbesondere deutlich, dass Unternehmen gerade in dieser Situation ihre gesetzlichen Pflichten besonders sorgfältig wahrnehmen müssten.
„Unternehmen sollten wirtschaftliche Schwierigkeiten nicht aussitzen“ warnt Dr. Holger-René Bruckhoff, Insolvenzverwalter und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, “Wer frühzeitig handelt, verschafft sich regelmäßig deutlich bessere Handlungsmöglichkeiten, sowohl im Hinblick auf eine erfolgreiche Sanierung als auch zur Vermeidung rechtlicher Konsequenzen. Je früher eine fachkundige Beratung durch auf das Insolvenz- und Restrukturierungsrecht spezialisierte Experten eingeholt wird, desto besser sind die Chancen, zukunftsfähige Lösungen für das Unternehmen und seine Beteiligten zu entwickeln.“
Quellenhinweise:
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Pressemitteilung 22/2026: IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten auch im Juli auf sehr hohem Niveau
Creditreform, Pressemeldung vom 04. August 2026: „Wehe, die Insolvenz wird verschleppt“
Creditreform, Pressemeldung vom 17. Juli 2026: „Exodus in Deutschland – höchster Insolvenzstand seit 2013“

