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Erstes Halbjahr 2026: IWH und Creditreform bestätigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zieht im aktuellen Insolvenztrend Bilanz für das zweite Quartal 2026, das im Juni mit 1.702 Unternehmensinsolvenzen endete. Damit lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen allein im Juni um 20 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats sowie 80 Prozent über dem Vor-Corona-Schnitt der Jahre 2016 bis 2019 und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Diese aktuellen Daten bestätigen die negative Tendenz, die sich bereits im ersten Quartal abgezeichnet hatte, auch im April hatte das Institut bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten bei den Unternehmensinsolvenzen hingewiesen.
Für das gesamte zweite Quartal konstatiert das Institut nun die höchste Anzahl an Unternehmensinsolvenzen seit 21 Jahren. Der Anstieg ist struktureller Natur und beschränkt sich längst nicht mehr nur auf einzelne Risikobranchen, sondern betrifft flächendeckend fast alle großen Wirtschaftszweige und das gesamte Bundesgebiet mit außergewöhnlich hohen Werten in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Für die kommenden Monate prognostiziert Steffen Müller, der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, vorerst keine Entspannung. Da die Belastungen die Wirtschaft in der gesamten Breite und viele Regionen gleichzeitig treffen, ist laut der IWH-Prognose auch für das dritte Quartal weiterhin mit spürbar höheren Insolvenzzahlen als im Vorjahr zu rechnen.
Für die insolvenzrechtliche Praxis untermauern diese Zahlen laut Dr. Holger-René Bruckhoff erneut die Notwendigkeit, bereits bei ersten Anzeichen einer Liquiditätskrise aktiv zu werden: „Einerseits eröffnet frühzeitiges Handeln bessere Chancen auf eine Sanierung unter Insolvenzschutz, andererseits gilt es, Haftungsrisiken wegen verspäteter Antragstellung zu vermeiden“, so der Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht und Insolvenzverwalter der Kanzlei Bruckhoff - Dienstleistung mit Recht.
Auch Creditreform sieht strukturelle Krise, besonders junge Unternehmen betroffen
Damit bestätigt die IWH-Analyse die bereits Ende Juni veröffentlichten Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 12.900 Unternehmensinsolvenzen verzeichnete. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - Abweichungen bei den Zahlen resultieren dabei aus der unterschiedlichen Methodik der Institute, die Tendenz ist hingegen übereinstimmend und unterstreicht den wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen. Der andauernde Nachfrageeinbruch im Inland trifft auf dauerhaft hohe Betriebskosten.
Die Detailanalyse von Creditreform offenbart dabei zwei besonders kritische Entwicklungen im aktuellen Insolvenzgeschehen: Zum einen verzeichnen junge Unternehmen, die maximal zwei Jahre am Markt aktiv sind und oft noch keine ausreichenden Kapitalrücklagen bilden konnten, einen bemerkenswerten Anstieg der Insolvenzhäufigkeit um 25,3 Prozent. Zum anderen nimmt die Zahl der Großinsolvenzen von etablierten Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz spürbar zu. Diese Häufung von Großverfahren zieht oft Dominoeffekte für Zulieferer nach sich und verschärft damit die allgemeine Entwicklung.
Quellenhinweise:
Insolvenztrend: Firmenpleiten im zweiten Quartal auf höchstem Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten | Pressemitteilung 12/2026: IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten
Creditreform, Pressemeldung vom 23. Juni 2026: Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2026

