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IWH-Insolvenztrend: Überraschender Rückgang bei Unternehmensinsolvenzen, aber keine Entwarnung

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte für den April noch neue Höchstwerte bei den Unternehmensinsolvenzen für den Vormonat gemeldet. Nun folgte in der Juni-Meldung eine überraschend positivere Meldung, die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen sank demnach deutlich. Nach Angaben des IWH wurden im Mai 2026 bundesweit 1.518 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert, das sind verglichen mit dem April 15 Prozent weniger, als mit 1.776 Fällen der höchste Stand seit Juni 2005 erreicht worden war. Dennoch liegt die Zahl der Insolvenzen weiterhin drei Prozent über dem Vorjahresmonat und beträchtliche 57 Prozent über dem Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2016 bis 2019.

Weniger Insolvenzen, aber keine Trendwende

Das Institut hatte im Mai prognostiziert, dass keine Entspannung in Sicht sei und von einer nachhaltigen Erholung kann nach Einschätzung der Insolvenzforscher auch jetzt keine Rede sein. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass der Rückgang teilweise ein Effekt der geringeren Anzahl an Arbeitstagen im Mai sein könne. Im Logistikbereich wurde zudem ein neuer Höchststand erreicht, die Branche Verkehr und Lagerei verzeichnete die bislang größte jemals im Insolvenztrend erfasste Zahl an Insolvenzen. Eine naheliegende Interpretation der Ursachen dieser Entwicklung sind die gestiegenen Kosten aufgrund der hohen Kraftstoffpreise.

Insbesondere ging die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Beschäftigten zuletzt deutlich zurück. Während im April noch knapp 20.000 Arbeitsplätze von den größten Insolvenzfällen betroffen waren, lag die Zahl im Mai bei etwas mehr als 11.000. Auch vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die jüngste Verbesserung vor allem auf das Ausbleiben großer Insolvenzen zurückzuführen ist und weniger auf eine generelle Stabilisierung der Wirtschaft. Entsprechend warnen die Experten vor voreiligen Schlussfolgerungen. Laut Steffen Müller, dem Leiter der IWH-Insolvenzforschung, ist angesichts der vom IWH erhobenen Frühindikatoren damit zu rechnen, dass die Insolvenzzahlen auch in den kommenden Monaten erhöht bleiben könnten. Vor dem Hintergrund der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche, hoher Kostenbelastungen, geopolitischer Unsicherheiten und struktureller Herausforderungen ist derzeit keine allgemeine Entwarnung zu erwarten.

Quellenhinweise:
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Pressemitteilung 13/2026: IWH-Insolvenztrend: Neuer Rekordwert bei Firmenpleiten | Pressemitteilung 15/2026: IWH-Insolvenztrend: Anzahl der Firmenpleiten deutlich gesunken
 

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