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Creditreform-Studie zeigt Anstieg der Überschuldung von Privatpersonen
Laut dem aktuellen „SchuldnerAtlas Deutschland 2025” der Wirtschaftsauskunftei und Gläubigerschutzorganisation Creditreform ist die Überschuldung in Deutschland nach sechs Jahren Rückgang erstmals wieder deutlich gestiegen. Demnach sind 5,67 Millionen Bürger über 18 Jahre betroffen, was einem Anstieg von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 2024 wurde noch ein Rückgang verzeichnet, der allerdings bereits damals von Creditreform mit einer Konsumzurückhaltung der Verbraucher angesichts einer kritischen Gesamtsituation eingeschätzt worden war.
Besonders betroffen sind die Gruppen der Jüngeren unter 30 und der Älteren über 60 Jahre. Bei den Jüngeren liegen die Ursachen vorwiegend im Konsumverhalten, in der Aufnahme von Krediten und in vermehrten Onlinekäufen, insbesondere mit „Buy now, pay later“-Angeboten, die gezielt diese konsumorientierten jüngeren Konsumenten ansprechen. Die älteren Betroffenen leiden eher unter steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renteneinkommen. Gemeinsam haben beide Gruppen, dass es an Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben mangelt.
Bei Creditreform führt man den Anstieg der Zahlen auf eine nachlassende finanzielle Widerstandsfähigkeit vieler Haushalte durch die Aneinanderreihung unterschiedlicher Krisensituationen zurück: Die Pandemie, steigende Energiekosten und die Inflation haben den Haushalten keine Zeit zur Erholung gelassen und ihre Reserven aufgezehrt. Allgemein sind steigende Lebenshaltungs-, Energie- und Wohnkosten wesentliche Treiber des Anstiegs der Überschuldung. Creditreform-Geschäftsführer Bernd Bütow bewertet den gleichzeitigen Anstieg zweier Faktoren als besonders kritisch, die er als „harte“ und „weiche“ Überschuldung bezeichnet. Bei den „harten“ Überschuldungsfällen, also solchen, die zu juristischen Konsequenzen bis hin zur Privatinsolvenz führen, ist ein Anstieg um 39.000 Fälle zu verzeichnen. Die „weichen“ Fälle, anhaltende Zahlungsschwierigkeiten ohne rechtliche Folgen, sind um 72.000 gestiegen. Diese Parallelität deutet auf eine breite strukturelle Verschlechterung der privaten Finanzen hin. Bütow weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass zunehmend auch Bürger mit stabilen Einkommen betroffen sind, die ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzt haben. Die Zahlen der Creditreform-Studie spiegeln sich in der Entwicklung der Privatinsolvenzen wider. Laut Studie ist dort bereits seit zwei Jahren ein „stabiler Zuwachs“ zu verzeichnen. Dies wird durch die aktuellen, vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen endgültigen Zahlen für die ersten drei Quartale des noch laufenden Jahres bestätigt. Demnach ist ein Anstieg um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.
Neben Bremen, Berlin und den Bundesländern Saarland und Sachsen-Anhalt befinden sich die am stärksten von Überschuldung betroffenen Regionen Deutschlands vor allem in Nordrhein-Westfalen, insbesondere im Ruhrgebiet. Duisburg, Essen oder Dortmund führen das Überschuldungsranking der Städte mit über 400.000 Einwohnern an. Die Region ist weiter von strukturellen Schwächen betroffen, der Rückgang der Industrie hat zu dauerhaften Arbeitsplatzverlusten und einer wirtschaftlichen Schwächung geführt. Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zu anderen Bundesländern hoch, und Arbeitslosigkeit zählt zu den Hauptauslösern für Überschuldung. Hinzu kommen auch hier die stark gestiegenen Kosten insbesondere für Energie und Wohnen, die die finanzielle Belastung der Verbraucher erheblich erhöht haben.
„In den letzten zwei Jahren ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland deutlich gestiegen. Die Zahlen sind wieder höher als vor der Aneinanderreihung von Krisen, die mit der Corona-Pandemie begonnen hatte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen wird in diesem Jahr wohl die 80.000er-Marke erreichen oder überschreiten. Dies entspricht Werten, die wir zuletzt etwa im Jahr 2021 gesehen haben, aber damals war das ein Nachholeffekt aufgrund einer Gesetzesreform, die privaten Schuldnern einen schnelleren Neustart ermöglichte“, kommentiert Dr. Holger-René Bruckhoff, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht und Insolvenzverwalter die Entwicklung. „Heute ist ein wesentlicher Aspekt in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Lebenshaltungskosten, die immer mehr vom Haushaltseinkommen aufzehren. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich Zahlen für 2023 veröffentlicht und es zeigt sich, dass gerade Menschen mit geringen Einkommen einen immer höheren Anteil ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel und Wohnen aufbringen müssen. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung seitdem eher noch verschärft hat.“
Quellenhinweise:
Creditreform, Überschuldung von Verbrauchern, SchuldnerAtlas Deutschland 2025 und Pressemeldung
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 449 vom 12. Dezember 2025: „Beantragte Regelinsolvenzen im November 2025: +5,7 % zum Vorjahresmonat“
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 438 vom 9. Dezember 2025: „Lebenshaltungskosten 2023: Haushalte mit geringem Einkommen geben über 60 % für Lebensmittel und Wohnen aus“

