News
Zehnjahreshoch bei Firmeninsolvenzen: Auch für 2026 keine Trendwende in Sicht
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) berichtet in seinem aktuellen Insolvenzmonitor zwar von einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen im November, betont jedoch, dass dies keine nachhaltige Trendwende darstellt. Im vergangenen Monat lag die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften bei 1.293, im Vergleich zum Vormonat ergibt sich damit ein Rückgang von 17 Prozent. Der Wert liegt ebenfalls knapp unter dem des Vorjahresmonats, allerdings um 46 Prozent über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. Auch die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze sank im November deutlich auf 9.000, was einem Rückgang von 30 Prozent gegenüber dem Oktober und 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Erstmals seit April 2022 sind die Insolvenzzahlen damit wieder unter dem Niveau des jeweiligen Vorjahresmonats. Auf Basis der vom IWH erhobenen Frühindikatoren wird auch für den letzten Monat des Jahres ein gedämpftes Insolvenzgeschehen erwartet. Zum Jahresbeginn rechnet man jedoch wieder mit einem Anstieg der Zahlen. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, sieht den aktuellen Rückgang der Zahlen als Stabilisierung auf hohem Niveau, eine Trendwende erwartet er jedoch nicht.
Das IWH bestätigt damit die Erwartungen aus dem Bericht der Wirtschaftsforscher der Creditreform. Deren Hauptgeschäftsführer Bernd Bütow verweist auf einen grundlegenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft: „Hohe Kosten, Bürokratie und die anhaltende Konjunkturschwäche werden das Insolvenzgeschehen weiter antreiben.“
Creditreform-Analyse: „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“
Die zu Jahresbeginn gehegten Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland haben sich nicht erfüllt, der mit dem Regierungswechsel erwartete Aufschwung blieb aus und nach zwei Jahren des Rückgangs stagnierte die deutsche Wirtschaft weiterhin. Die Krise zeigt sich nun bereits im dritten Jahr in Folge durch einen stetigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen, auch 2025 sind die Zahlen weiter gestiegen. Mit rund 23.900 Fällen wurde der höchste Stand seit 2014 erreicht - ein Anstieg von 8,3 Prozent. Zwar hat sich der Zuwachs im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024 abgeschwächt, dennoch wurden über 9.000 Unternehmenspleiten mehr registriert als noch in 2022. Die regionale Verteilung der Unternehmensinsolvenzen unterscheidet sich deutlich, besonders ausgeprägt zeigte sich der Zuwachs in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Auch der lange robuste Arbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck: Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen und liegt erstmals seit 2015 wieder bei über drei Millionen Erwerbslosen. Großinsolvenzen sorgten dabei für erhebliche Arbeitsplatzeinbußen. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl der verlorenen Stellen im Jahr 2025 auf 285.000 belaufen - ein ähnliches Niveau wie im Vorjahr, als 291.000 Stellen betroffen waren. In diesen Werten sind nicht nur die direkt von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze enthalten, sondern auch Stellen, die bereits im Vorfeld von Insolvenzen abgebaut wurden.
Diese Entwicklung gehört zu den Treibern des Anstiegs bei den Privatinsolvenzen - im Jahr 2025 sind diese um 6,5 Prozent gestiegen. Mit geschätzten 76.300 Fällen wurde der höchste Stand seit 2016 erreicht. Hauptursachen sind der Stellenabbau und die damit verbundene steigende Arbeitslosigkeit sowie die steigenden Lebenshaltungskosten. Insgesamt gelten laut der Creditreform-Analyse über fünf Millionen Menschen in Deutschland als überschuldet und die finanzielle Lage vieler Haushalte verschlechtert sich weiter - wie Unternehmen leiden auch die Verbraucher unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Auf hohem Niveau bleiben auch die Schäden für Insolvenzgläubiger. Betroffen sind neben Banken und Sozialversicherungsträgern auch viele Unternehmen, die einerseits auf Forderungen verzichten müssen und andererseits Lieferanten und Abnehmer verlieren. Gleichzeitig leidet die deutsche Wirtschaft unter strukturellen Problemen und insbesondere in energieintensiven Branchen unter den hohen Energiekosten. Geopolitische Risiken, wie etwa Handelskonflikte, verstärken die Unsicherheit zusätzlich und erschweren eine konjunkturelle Erholung, was wiederum die ohnehin schon schwierige Lage im kommenden Jahr weiter zuspitzen könnte.
Entsprechend mahnt Creditreform zusätzliche strukturelle Maßnahmen an, neben den geplanten Milliarden-Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Verteidigung sei etwa eine Entlastung bei den Stromkosten erforderlich, um die wirtschaftliche Basis wieder zu stabilisieren.
Quellenhinweise:
Creditreform, Pressekonferenzen Wirtschaftsforschung, Pressemeldung vom 08. Dezember 2025: „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Pressemitteilung 33/2025: IWH-Insolvenztrend: „Erster Rückgang der Insolvenzzahlen seit Jahren - aber keine Trendwende“

