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Unternehmensinsolvenzen in Nordrhein-Westfalen weiter über Vorkrisenniveau

Nachdem die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2024 in Nordrhein-Westfalen erstmals wieder deutlich über dem Vorkrisenniveau lag, zeigten die Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW für Statistik und IT-Dienstleistungen auch zu Beginn des laufenden Jahrs keine Erholung.

Im Jahr 2024 meldeten die Amtsgerichte des Landes 5.640 Unternehmensinsolvenzen, was einem Anstieg von rund 23 Prozent gegenüber 2023 bzw. von 5,4 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten lag mit über 55.000 Personen um rund 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Die gemeldeten voraussichtlichen Forderungen beliefen sich auf 13,6 Milliarden Euro und waren damit viermal so hoch wie 2019. Insgesamt – also inklusive Verbraucherinsolvenzen und weiterer Insolvenzverfahren – meldeten die Amtsgerichte im Jahr 2024 28.334 beantragte Insolvenzverfahren. Dies entspricht einem Plus von 6,0 Prozent gegenüber 2023 bzw. einem Anstieg von 12,4 Prozent gegenüber 2019. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres zeigen einen weiteren deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Hohe Insolvenzzahlen aus dem Vorjahr übertroffen

Im ersten Quartal 2025 meldeten die nordrhein-westfälischen Insolvenzgerichte insgesamt 1.572 Unternehmensinsolvenzen. Dies entspricht einem Anstieg von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht. Zuletzt war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2016 mit 1.669 Verfahren höher.

Besonders betroffen war der Wirtschaftsbereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz“, in dem 294 Insolvenzverfahren gemeldet wurden, was einem Anstieg von 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Weitere stark betroffene Bereiche waren das Baugewerbe mit 274 Verfahren (ein Plus von 16,1 Prozent) und die „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ mit 173 Verfahren (ein Plus von 26,3 Prozent).

Trotz der gestiegenen Zahl an Unternehmensinsolvenzen zeigte sich ein Rückgang bei der Anzahl der betroffenen Beschäftigten. Im ersten Quartal 2025 waren rund 10.000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen betroffen, was einem Rückgang von 33,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Auch die Höhe der voraussichtlichen Forderungen sank erheblich: Sie beliefen sich auf 2,0 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 45,4 Prozent gegenüber den 3,7 Milliarden Euro im Vorjahresquartal entspricht. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass weniger Insolvenzanträge von wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen und Unternehmensketten gestellt wurden.

Die Gesamtzahl der Insolvenzverfahren in Nordrhein-Westfalen, einschließlich Unternehmens- und Privatinsolvenzen, stieg im ersten Quartal 2025 um 4,8 Prozent auf 7.421 Verfahren. Darunter waren 4.378 Verbraucherinsolvenzen, deren Zahl im Vergleich zum Vorjahresquartal mit einem leichten Rückgang um 0,5 Prozent auf ähnlichem Niveau blieb.

Rechtsanwalt Dr. Holger-René Bruckhoff, Insolvenzverwalter und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, schätzt die Entwicklung ein: „In absoluten Zahlen steht Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes und wirtschaftsstarkes Bundesland zwar ganz oben in den Tabellen, vergleicht man aber den Anstieg, findet man NRW im Mittelfeld. Niedersachsen und Baden-Württemberg weisen deutlich höhere Steigerungsraten auf, beide Länder sind auch durch die Krise im Automobilsektor relativ stark betroffen. Der Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen in Nordrhein-Westfalen liegt etwa auf dem Niveau des Bundes, sodass wir auch hier nach wie vor von Nachholeffekten ausgehen können.“

Quellenhinweise:
Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen – IT.NRW, Pressemeldung vom 13.3.25: „Fünf Jahre Corona: 2024 übertrifft Zahl der Unternehmensinsolvenzen in NRW erstmals das Vorkrisenniveau
Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen – IT.NRW, Pressemeldung vom 13.6.25: „NRW: Fast 20 % mehr Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahresquartal

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