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„Zombieunternehmen“ - Herausforderung für die Wirtschaft

Mit dem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen hat auch der Begriff der „Zombie-Unternehmen“ erneut Einzug in die Berichterstattung gehalten. Darunter versteht man hoch verschuldete Unternehmen, die keine oder nur geringe Erträge erwirtschaften, nicht mehr konkurrenzfähig sind und sich nur durch externe Faktoren wie niedrige Zinsen oder Staatshilfen am Markt halten können. Der Begriff geht zurück auf die japanische Wirtschaftskrise der 90er-Jahre und hat sich im Zuge der Finanzkrise ab 2008 weiter etabliert.

Die anhaltende Krise, die mit der Coronapandemie begann und sich mit dem Ukrainekrieg, dem damit verbundenen Anstieg der Energiepreise und der konjunkturellen Abschwächung fortsetzte, veranlasste die Bundesregierungen zu umfangreichen staatlichen Stützungsmaßnahmen wie Soforthilfen, Sonderregelungen beim Kurzarbeitergeld und der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Waren diese Maßnahmen einerseits für viele gesunde Unternehmen eine wichtige Hilfe bei der Bewältigung der Krise, ermöglichten sie andererseits auch strukturell nicht mehr wettbewerbsfähigen Unternehmen den Verbleib am Markt und verhinderten oder verzögerten damit eine natürliche Marktbereinigung.

Negative Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft

Für eine gesunde Wirtschaft ist der Zyklus von Markteintritt junger, innovativer Firmen und dem Marktaustritt nicht mehr wettbewerbsfähiger Unternehmen jedoch essenziell.

Durch Stützungsmaßnahmen und die langanhaltende Niedrigzinsphase entfiel der sonst übliche Druck, sich strategisch neu auszurichten, Geschäftsmodelle anzupassen oder durch Innovationen die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Diese Fehlentwicklung trifft jedoch nicht nur die Unternehmen selbst, die Existenz der so genannten „Zombieunternehmen“ hat langfristig negative Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Ein besonders problematischer Effekt ist der Rückgang von Investitionen in moderne und nachhaltige Geschäftsmodelle. So sparen betroffene Unternehmen erfahrungsgemäß gezielt im Bereich Forschung und Entwicklung, um Kosten zu senken und verschaffen sich so kurzfristige Kosten- und Preisvorteile gegenüber Unternehmen, die aktiv in die Weiterentwicklung ihrer Produkte und Prozesse investieren.

Dies kann dazu führen, dass sich der Wettbewerbsdruck auf gesunde Unternehmen erhöht und diese in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Langfristig schadet dies der gesamten Volkswirtschaft, da es den technologischen Fortschritt ausbremst, die Produktivität hemmt und eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung erschwert. Zudem binden solche Unternehmen Ressourcen wie Kapital und Arbeitskräfte, die innovativen Unternehmen dann nicht zur Verfügung stehen. Zudem geht von Krisenunternehmen eine Ansteckungsgefahr aus, die Konkurrenten, aber auch Kunden und Zulieferer treffen kann, wenn solche Akteure letztendlich kippen.

Wenn die Krisen der vergangenen Jahre sich nun zeitverzögert mit dem Anstieg der Insolvenzen bemerkbar machen, der sich laut Experten auch in diesem Jahr fortsetzen wird, so ist diese Entwicklung im Hinblick auf Arbeitsplatzverluste und Kreditausfälle einerseits schmerzhaft. Andererseits ist es für die langfristige wirtschaftliche Stabilität notwendig, dass nicht mehr wettbewerbsfähige Firmen aus dem Markt ausscheiden. Dies schafft Raum für neue, produktivere Unternehmen, die Innovation und Wachstum vorantreiben.

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