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Schwache Wirtschaft treibt Insolvenzen auf höchste Werte seit 2010
Wie die Forschungssparte der Allianz Trade Kreditversicherungsgruppe im Oktober berichtete, steigen die Unternehmensinsolvenzen global deutlich, lt. Prognose im laufenden Jahr um 11 Prozent. Auch im kommenden Jahr wird noch ein Anstieg erwartet, der mit 2 Prozent allerdings gebremst ausfallen soll. Eine Stabilisierung wird erst für 2026 erwartet. Für Deutschland übersteigen die Prognosen diese Werte noch, erwartet wird hier ein Anstieg um 25 Prozent, für das kommende Jahr noch 4 Prozent. Eine Entspannung wird ebenfalls erst für 2026 erwartet, hier allerdings mit einem leichten Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um prognostizierte 4 Prozent. Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade für die DACH-Region sieht als Ursache die anhaltende wirtschaftliche Schwäche in Europa, aber insbesondere im Inland, die deutschen Unternehmen zu schaffen mache.
Er verweist aber auch auf Stärken und mahnt Investitionen in grüne Technologien an: „Trotzdem: Viele deutsche Unternehmen sind weiterhin finanziell robust und haben - insbesondere im deutschen Mittelstand - gezeigt, dass sie jedem Sturm trotzen. Sie sollten an ihre Stärke glauben und jetzt den Mut finden, trotz vieler Unsicherheiten in ihre (grüne) Zukunft zu investieren, um dann bei der Erholung ganz vorne auf der Erfolgswelle zu surfen.“ Eine frühere Prognose war noch etwas optimistischer ausgefallen, so war im September für das laufende Jahr noch ein Anstieg um 21 Prozent erwartet worden.
Im Rückblick auf das dritte Quartal sieht auch der „Insolvenztrend“ des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) „Rekordwerte“ bei den Unternehmensinsolvenzen: in keinem anderen Quartal seit 2010 gab es so viele Insolvenzen. Verglichen mit dem Vormonat war der Anstieg im September mit 2 Prozent zwar moderat, lag aber um 28 Prozent höher als im Vorjahresmonat und ganze 44 Prozent über dem Durchschnitt des Vor-Corona-Zeitraums 2016 bis 2019.
Viele Insolvenzen bei großen Unternehmen
Einig sind sich die Forscher auch im Hinblick auf Großinsolvenzen. Allianz Trade berichtete im September nicht nur von insgesamt mehr Insolvenzen, sondern verwies vor allem auf den Anstieg bei den Insolvenzen großer Unternehmen. Dies bestätigt auch das IWH, demnach waren in den größten 10 Prozent der Unternehmensinsolvenzen fast 23.000 Arbeitsplätze betroffen. Diese Zahl liegt nicht nur um 75 Prozent höher als im Vorjahr, sondern beachtliche 350 Prozent über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre.
Neben der allgemeinen Schwächephase der deutschen Wirtschaft handelt es sich zum Teil immer noch um Nachholeffekte aus dem Pandemiezeitraum, als staatliche Stützungsmaßnahmen die Werte künstlich auf niedrigem Niveau hielten. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung sieht nicht nur aktuell ein deutlich erhöhtes Insolvenzgeschehen, sondern rechnet ebenfalls mit weiter ansteigenden Zahlen für die kommenden Monate.
Auch die Verbraucherinsolvenzen steigen an. Das Statistische Bundesamt weist in seiner Meldung vom Oktober zum Insolvenzgeschehen einen Anstieg von 18 Prozent für den Juli aus, belastbare aktuellere Zahlen sind derzeit zwar nicht verfügbar, aber Dr. Holger-René Bruckhoff verweist auf die hohe Zahl der bei Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze: „Der Druck auf den Arbeitsmarkt wird sich absehbar erhöhen und auch der sinkende Trend bei der Inflationsrate scheint gestoppt, gerade die Verbraucherpreise steigen wieder mehr als zuletzt erwartet. Das lässt in der Konsequenz auch einen weiteren Anstieg bei den Privatinsolvenzen befürchten“.
Quellenhinweise:
Allianz Trade, Pressemitteilung vom 15. Oktober 2024: „Weltweites Insolvenzgeschehen zieht an: Anstieg um 11 % im Jahr 2024 und 2025 um weitere 2 %“
Allianz Trade, Pressemitteilung vom 10. September 2024: „Großinsolvenzen steigen um mehr als ein Drittel, durchschnittliche Schäden nahezu verdoppelt“
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Pressemitteilung 28/2024: IWH-Insolvenztrend: Zahl der Firmenpleiten im September gestiegen, drittes Quartal 2024 erreicht damit Rekordwerte
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 409 vom 30. Oktober 2024: „Inflationsrate im Oktober 2024 voraussichtlich +2,0 %“
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 390 vom 11. Oktober 2024: „Beantragte Regelinsolvenzen im September 2024: +13,7 % zum Vorjahresmonat“

